Mehr Plätze, mehr Clubs – und damit eine Frage für Betreiber: Wie können sie sich abheben, wenn Padel wächst? Die Antwort könnte ebenso sehr darin liegen, was rund um das Match geboten wird, wie auf dem Platz selbst. Manche Anlagen vereinen bereits mehrere Sportarten, Gastronomie und Wellnessangebote. Offen bleibt, ob dieses Modell ein besseres Erlebnis schaffen kann – und wirtschaftlich nachhaltig ist.
Was wäre, wenn der wichtigste Wettbewerber eines Padelclubs bald nicht mehr der Club nebenan wäre, sondern die Sportanlage, die das beste Gesamterlebnis bietet? Das ist eine strategische Möglichkeit, keine unausweichliche Entwicklung.
Ein wachsender Markt, aber unterschiedliche lokale Gegebenheiten
Laut der Mitteilung von PwC zur Vorstellung des Global Padel Report 2026 von Playtomic und Strategy& gibt es weltweit mehr als 58.300 Padelplätze – ein Anstieg von 16 % innerhalb eines Jahres. Der Bericht schätzt die Zahl der Spielerinnen und Spieler auf knapp 19,4 Millionen. PwC berichtet außerdem von mehr als 5.000 Cluberöffnungen im Jahr 2025. Dabei handelt es sich um gemeldete Eröffnungen, nicht um einen Nettosaldo nach Schließungen.
In Frankreich zählte der französische Tennisverband FFT 2025 insgesamt 850.000 Padelspielende, darunter 272.000 lizenzierte Mitglieder. Diese Zahl umfasst nicht ausschließlich Padel-Lizenzen. Die Daten weisen auf eine wachsende Ausübung des Sports hin, erlauben aber weder den Schluss, dass ein lokales Einzugsgebiet gesättigt ist, noch dass die Margen sinken. Dafür wären lokale und wirtschaftliche Daten erforderlich.
Für einen Club kann Differenzierung daher nicht auf einem allgemeingültigen Erfolgsrezept beruhen. Die Qualität und Verfügbarkeit der Plätze bleiben entscheidend. Je nach Standort und Zielgruppe kann ein breiteres Angebot den Aufenthalt jedoch verlängern und zusätzliche Gründe für einen erneuten Besuch schaffen.
Vom Padelplatz zur Multisportanlage
In Frankreich präsentiert Le Set nahe Nantes ein Angebot mit Padel, Fußball, Badminton, Basketball und Squash sowie einem Restaurant und Aktivitäten wie Yoga, Pilates und Tanz. In Aix-en-Provence verbindet das setclub unter anderem Tennis, Padel, Golf, Fitness, Schwimmbäder, Spa und Businessbereiche. Diese Beispiele zeigen, dass es Angebote gibt, die Sport und Dienstleistungen kombinieren. Sie belegen weder Besucherzahlen noch Rentabilität.
David Lloyd in Veigy bietet nach eigenen Angaben Padel- und Tennisplätze, aber auch Badminton, Squash, Fitness, ein Schwimmbad, ein Spa und einen Clubroom. Zum Angebot gehören zudem Turniere und gesellige Veranstaltungen. In Spanien wirbt der Racquets Club von La Manga mit zehn beleuchteten Padelplätzen und einem Gastronomiebereich mit Terrasse direkt an den Plätzen.
Solche Konzepte laden dazu ein, den Club als Ausflugsziel zu denken: Hier kann man selbst spielen, eine nahestehende Person begleiten, essen oder einer anderen Aktivität nachgehen. Auch Pickleball, Geburtstagsfeiern oder die Übertragung von Sportveranstaltungen könnten als Möglichkeiten geprüft werden. Die hier dokumentierten Beispiele reichen jedoch nicht aus, um sie als etablierte Trends darzustellen.
Mehr Zeit vor Ort bedeutet nicht automatisch höhere Margen
Die wirtschaftliche Logik ist verlockend: Wer nach dem Match bleibt, kann eine Mahlzeit bestellen, eine weitere Aktivität buchen oder an einer Veranstaltung teilnehmen. Kurse, Wettkämpfe und Angebote für Unternehmen können ebenfalls dazu beitragen, die Anlage zu beleben. La Manga veranschaulicht die einfache Verbindung von Plätzen und Gastronomie; die genannten Clubs dokumentieren außerdem soziale Aktivitäten oder Angebote für Unternehmen.
Drei Kennzahlen sollten jedoch getrennt betrachtet werden: die Besuchshäufigkeit, zusätzliche Ausgaben und der Deckungsbeitrag. Zusätzlicher Umsatz garantiert keinen höheren Gewinn. Restaurant, Spa und weitere Aktivitäten erfordern Investitionen, Personal, Instandhaltung und Koordination. Eine Veranstaltung kann einen schwach nachgefragten Zeitraum füllen – oder eine Buchung verdrängen, die sonst verkauft worden wäre. Das Ergebnis hängt unter anderem von den Kosten, dem verfügbaren Platz und der lokalen Nachfrage ab.
Diversifizierung kann deshalb schrittweise erfolgen: eine Aktivität testen, ihre Nutzung und Kosten messen und anschließend über ihre Fortführung entscheiden. Dafür muss nicht zwangsläufig eine große Anlage gebaut werden. Für manche Clubs können einzelne Veranstaltungen oder eine lokale Partnerschaft ein geeigneterer erster Schritt sein.
Das soziale Erlebnis hängt nicht nur von der Ausstattung ab
Ein Club wird weniger durch die Liste seiner Einrichtungen zu einem Ort zum Verweilen als durch die Gelegenheiten, die Menschen dort zusammenzubringen. Turniere, clubinterne Meisterschaften und gesellige Veranstaltungen gehören bereits zu den von David Lloyd Veigy angekündigten Angeboten. Der setclub unterscheidet zwischen Angeboten für Privatpersonen und für Unternehmen. Das sind Beispiele für angebotene Aktivitäten, aber kein Beleg dafür, dass sie die Bindung oder Rentabilität erhöhen.
Trainingscamps, Akademien, Erholungsbereiche und Treffen rund um Sportveranstaltungen lassen sich je nach Kompetenzen des Clubs und Erwartungen der Spielenden ebenfalls in Betracht ziehen. Ihr kommerzieller Nutzen muss im Einzelfall geprüft werden. Auch ein Abonnement, das Zugang zu mehreren Aktivitäten bietet, kann das Erlebnis erweitern. Die Bedingungen müssen jedoch klar sein: Bei David Lloyd unterscheiden sich die Tarife und Zugangsrechte, und manche Dienstleistungen kosten extra.
Management-Tools, die zum Angebot passen
Je mehr Aktivitäten hinzukommen, desto komplexer wird die Organisation. Plätze, Kurse, Turniere, Bereiche, Teams und Zeitfenster müssen aufeinander abgestimmt werden. Buchungen für mehrere Aktivitäten, Abonnements, Veranstaltungsmanagement und eine passende Kommunikation können zu wichtigen Anforderungen werden. Kundendaten können helfen, die Nutzung besser zu verstehen – sofern die geltenden Regeln für Datenverarbeitung und Direktwerbung eingehalten werden.
Die französische Datenschutzbehörde CNIL weist darauf hin, dass elektronische Werbung an Privatpersonen grundsätzlich eine vorherige Einwilligung erfordert. Die Ausnahme für bestimmte Bestandskunden setzt unter anderem klare Bedingungen voraus: Dazu gehören das Angebot ähnlicher Dienstleistungen und die Möglichkeit, der Werbung zu widersprechen. Allein die Erstellung eines Kontos reicht nicht aus.
Für Clubs, die diese Entwicklung erkunden, geht es also nicht nur darum, welche Einrichtungen sie ergänzen sollten. Sie müssen auch überlegen, wie sich das Angebot koordinieren lässt und ob es tatsächlich einem Bedarf entspricht. Wenn Clubs zu sportlichen und sozialen Plattformen werden, müssen ihre digitalen Tools diese Organisation über die reine Platzbuchung hinaus unterstützen können. Mit der Entwicklung der Bedürfnisse von Racketsportclubs beschäftigt sich auch NextSet.
Quellen
- Complexe sportif multisport | Le Set | Le Bignonwww.lesetsport.fr
- El pádel, activo inmobiliario con alta ocupación e ingresoswww.pwc.es
- 2025, une saison record pour le padel en Francewww.fft.fr
- Salle de sport avec piscine à Veigy | Club de remise en forme | David Lloyd Clubswww.davidlloyd.fr
- Membership Enquirywww.davidlloyd.fr
- Club Privé du setclub | Entre sport et networking à Aix-en-Provencesetclub.com
- The Racquets Club - La Manga Club - Official websitewww.lmctennis.com
- La prospection commerciale par courrier électronique, SMS-MMS et automate d’appel | CNILwww.cnil.fr


